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Ragnar Axelsson Greenland

  • Ragnar Axelsson © Ingelfieldfjord, Grönland, 1987
    Ragnar Axelsson © Ingelfieldfjord, Grönland, 1987
  • Eisbärenspuren auf dem Meereis, Grönland, 2010. © Ragnar Axelsson
    Eisbärenspuren auf dem Meereis, Grönland, 2010. © Ragnar Axelsson
  • Tanzende Nordlichter, Kangertittivaq-Fjord, Grönland, 2026. © Ragnar Axelsson
    Tanzende Nordlichter, Kangertittivaq-Fjord, Grönland, 2026. © Ragnar Axelsson
  • Schlittenhunde auf dem Meereis, Kangertittivaq, Grönland, 2010. © Ragnar Axelsson
    Schlittenhunde auf dem Meereis, Kangertittivaq, Grönland, 2010. © Ragnar Axelsson
  • Eisbär auf der Flucht vor Schlittenhunden, Grönland, 2026. © Ragnar Axelsson
    Eisbär auf der Flucht vor Schlittenhunden, Grönland, 2026. © Ragnar Axelsson
  • Hjelmer Hammeken, Jäger auf dem Meereis, Kangertittivaq, Grönland, 1995. © Ragnar Axelsson
    Hjelmer Hammeken, Jäger auf dem Meereis, Kangertittivaq, Grönland, 1995. © Ragnar Axelsson
  • Hjelmer Hammeken in Kangertittivaq, Grönland, 1995. © Ragnar Axelsson
    Hjelmer Hammeken in Kangertittivaq, Grönland, 1995. © Ragnar Axelsson

Nie war es wichtiger als jetzt, das Leben der Menschen in der Arktis und die Veränderungen, die sie durchmachen, in Worten und Bildern zu dokumentieren, damit die Welt sehen kann, was geschieht. (Ragnar Axelsson, *1958 in Reykjavik)

Acht Staaten, eine Vielzahl indigener Völker, rivalisierende Großmächte: Die Arktis ist Heimat, Klima-Indikator, geopolitisches Terrain und Ressourcen-Reservoir zugleich. In der Arktis zeigt sich drastisch, was die Erderhitzung bewirkt: Permafrost taut, Küsten erodieren, Ökosysteme geraten aus den jahrhundertealten Bahnen. Der Rückzug des Eises wirkt sich zunehmend auch global aus: Meeresspiegel steigen und Wettersysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig wachsen machtpolitische und wirtschaftliche Begehrlichkeiten. Neue Schifffahrtsrouten, leichter zugängliche Rohstoffe und geopolitische Spannungen machen die Arktis zum Austragungsort von Konflikten. Seit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine aber auch durch Chinas Ambitionen einer „polaren Seidenstraße“ schwindet das dringend erforderliche multilaterale Engagement für den Klimaschutz noch weiter. Zuletzt wurde insbesondere GRÖNLAND zur Projektionsfläche für imperialistische Narrative und Phantasien. Die Achtung vor dem Völkerrecht, das Vertrauen in die internationalen Institutionen und die Bereitschaft zur überstaatlichen Zusammenarbeit ist auf vielen Ebenen gesunken.

Seit über 40 Jahren fotografiert der Isländer Ragnar Axelsson Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen Grönlands, Islands und Sibiriens. In dramatischen Schwarz-Weiß-Bildern fängt er die existentielle menschliche Erfahrung am Rande der bewohnbaren Welt ein. Anstatt lediglich den Klimawandel zu veranschaulichen, offenbaren seine Aufnahmen, wie Umweltveränderungen von den Menschen erlebt werden, deren Lebensgrundlage von Land, Meer und Eis abhängt.

Die Ausstellung Ragnar Axelsson Greenland umfasst 60 Werke. Seine großartigen Fotografien und Texte vermitteln sowohl Schönheit als auch Vulnerabilität. Sie erzählen einfühlsam von Widerstandsfähigkeit, Verlust, Würde und einer Lebensweise unter dem Druck einer Außenwelt, die ihre Existenz ignoriert oder ihnen zu diktieren versucht, wie sie zu leben haben. Ragnar Axelssons Grönland zeigt die Realität einer sich rasch wandelnden Welt – einen Ort von einzigartiger Schönheit und ständiger Gefährdung. Eine Welt, die vor unseren Augen schmilzt – mit unkalkulierbaren globalen Folgen.

RAGNAR AXELSSON

Schon mehr als vier Jahrzehnte lang fotografiert Ragnar Axelsson (*1958 in Reykjavik), auch bekannt als RAX, die Menschen, Tiere und Landschaften der Arktis. Seit seiner ersten Reise nach Grönland in den frühen 1980er-Jahren kehrt er Jahr für Jahr dorthin zurück und hat damit eine der weltweit umfangreichsten fotografischen Chroniken des Lebens im hohen Norden geschaffen. Allein in den vergangenen sieben Jahren ist er im Durchschnitt dreimal jährlich nach Grönland gereist und setzt damit ein Werk fort, das mehrere Generationen überspannt.
Ragnars Fotografien, die fast ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind, beleuchten die fragile Beziehung zwischen Menschen, Tieren und der Natur. Sein Werk ist von Geduld und langjährigem Engagement vor Ort geprägt und nicht etwa von einer Beobachtung aus der Distanz. Seit mehr als 30 Jahren dokumentiert er das Leben des grönländischen Jägers Hjelmer Hammeken. Er begleitet ihn auf seinen Streifzügen über das Eismeer während wechselnder Jahreszeiten, durch verschwindende Jagdgebiete und eine sich rasant wandelnde Arktis. Ihre Freundschaft ist zu einem der prägenden Themen in Ragnars Werk geworden und bildet die Grundlage für eines der umfangreichsten Langzeit-Dokumentationsprojekte, die jemals in Grönland durchgeführt wurden.
Nur wenige Fotografen sind über einen so langen Zeitraum hinweg immer wieder in dieselben arktischen Gemeinden zurückgekehrt. Ragnars Fotografien sind sowohl zu einer historischen Dokumentation als auch zu einem intimen Porträt des Lebens am Rande der bewohnten Welt geworden. Anstatt lediglich den Klimawandel zu veranschaulichen, offenbaren seine Aufnahmen, wie Umweltveränderungen von den Menschen erlebt werden, deren Lebensgrundlage von Land, Meer und Eis abhängt.
Von 1976 bis 2020 arbeitete Ragnar als Fotojournalist für die isländische Tageszeitung Morgunblaðið und übernahm zugleich Aufträge in ganz Europa, Afrika und Asien. Seine Fotografien erschienen in Publikationen wie The New Yorker, National Geographic, TIME, Newsweek, LIFE, GEO, Stern und Polka und international im Rahmen von Ausstellungen gezeigt.
Seine Retrospektive Where the World is Melting (Wo die Welt schmilzt), begleitet von der gleichnamigen Publikation des Kehrer Verlags, präsentiert Fotografien aus über 40 Jahren aus Grönland, Island und Sibirien. Die viel beachtete Ausstellung wurde 2021 von Isabel Siben für das Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung kuratiert und anschließend in den Deichtorhallen Hamburg und im Ernst-Leitz-Museum in Wetzlar gezeigt. Sie spiegelt die wachsende internationale Anerkennung seines Werks als bedeutendes visuelles Zeugnis des Wandels in der Arktis wider. Ragnar hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter Faces of the North (Gesichter des Nordens), Jökull, Arctic Heroes (Helden der Arktis), Behind Mountains (Hinter den Bergen) und Where the World is Melting (Wo die Welt schmilzt). Sein fotografisches Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter der isländische Literaturpreis für Sachliteratur, der Leica Oskar-Barnack-Preis (ehrenvolle Erwähnung), der Grand Prix Photo de Mer in Vannes sowie das Ritterkreuz des Falkenordens, Islands höchste nationale Auszeichnung.
Auch heute noch kehrt Ragnar mehrmals im Jahr nach Grönland zurück. Seine Fotografien sind ein seltenes, langfristig dokumentiertes Zeugnis einer Welt, die einen tiefgreifenden ökologischen und kulturellen Wandel durchläuft. Dabei halten sie nicht nur verschwindende Landschaften im Bild fest, sondern auch die Erinnerungen, das Wissen und die Widerstandskraft der Menschen, für die die Arktis nach wie vor ihre Heimat ist.