Ragnar Axelsson Greenland
„Nie war es wichtiger als jetzt, das Leben der Menschen in der Arktis und die Veränderungen, die sie durchmachen, in Worten und Bildern zu dokumentieren, damit die Welt sehen kann, was geschieht. Eine Fotografie ist in dem Puzzle, aus dem sich das Gesamtbild ergibt, nur ein kleines Teil, doch manchmal sind es diese kleinen Teile, die uns die Augen für die größere Realität öffnen.“ (Ragnar Axelsson)
Acht Staaten, eine Vielzahl indigener Völker, rivalisierende Großmächte: Die Arktis ist Heimat, Klimaindikator, geopolitisches Terrain und Ressourcen-Reservoir zugleich.
In der Arktis zeigt sich drastisch, was die Erderhitzung bewirkt: Permafrost taut, Küsten erodieren, Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Der Rückzug des Eises wirkt sich zunehmend auch global aus: Meeresspiegel steigen und Wettersysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig wachsen machtpolitische und wirtschaftliche Begehrlichkeiten. Neue Schifffahrtsrouten, leichter zugängliche Rohstoffe und geopolitische Spannungen machen die Arktis zum Austragungsort von Konflikten. Zuletzt wurde vor allem GRÖNLAND zur Projektionsfläche konkurrierender Interessen mit imperialen und kolonialen Narrativen. Seit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine aber auch durch Chinas wachsende Ambitionen einer „polaren Seidenstraße“ schwindet die multilaterale Bereitschaft, Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben.
In kaum einer anderen Region sind Geschwindigkeit und Auswirkungen ökologischer, machtpolitscher, wirtschaftlicher und sozialer Dynamiken derart dramatisch. Während wissenschaftliche Analysen diese Entwicklungen zunehmend dokumentieren, bleiben ihre kulturellen, menschlichen und emotionalen Dimensionen oft unbeachtet. Dabei ist es wichtig, die Arktis/Grönland nicht nur als geopolitischen oder ökologischen oder Ressourcen bietenden Raum zu betrachten, sondern als schützenswerte Lebenswelt vielfältiger Gemeinschaften.
Seit über 40 Jahren fotografiert der Isländer Ragnar Axelsson (geb. 1958) Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen Grönlands, Islands und Sibiriens. In schlichten Schwarz-Weiß-Bildern fängt er die existentielle menschliche Erfahrung in der Natur am Rande der bewohnbaren Welt ein.
Ragnar Axelsson war von 1976 bis 2018 Fotojournalist bei Morgunblaðið. Er hat als freier Mitarbeiter in Lettland, Litauen, Mosambik, Südafrika, China und der Ukraine gearbeitet. Seine Fotografien sind umfassend veröffentlicht (z.B Life, Newsweek, Stern, GEO, National Geographic, Time, The New Yorker) und haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Die Ausstellung Ragnar Axelsson Greenland im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung/München umfasst 60 Werke. Seine großartigen Schwarz-Weiß-Bilder vermitteln sowohl Schönheit als auch Vulnerabilität. Sie erzählen einfühlsam von Widerstandfähigkeit, Verlust, Würde und einer Lebensweise unter dem Druck einer Außenwelt, die ihre Existenz ignoriert oder ihnen zu diktieren versucht, wie sie zu leben haben. Ragnar Axelssons Grönland zeigt die Realität einer sich rasch wandelnden Welt – einen Ort von einzigartiger Schönheit und ständiger Gefährdung. Eine Welt, die vor unseren Augen schmilzt mit unkalkulierbaren globalen Folgen.




